Der Kirche und der Kapellen unserer Kirchgemeinde

Pfarrkirche St. Albin Ermatingen

Die Ermatinger Kirche ist eine der wenigen Kirchen im Kanton Thurgau, die auch heute noch paritätisch genutzt wird. Das bedeutet, dass sowohl die evangelischen als auch die katholischen Christen ihre Gottesdienste in dieser Kirche feiern.

1528 nahm Bern den evangelischen Glauben an und in der Folge erhielten auch die Evangelischen im Thurgau ihre Rechte. Als die Ermatinger einen evangelischen Prediger verlangten, bekamen sie ihren alten katholischen Priester Alexius Bertschin jetzt als evangelischen Pfarrer zurück.

In der Folge protestierte der Reichenauer Abt gegen die Besetzung der Frühmesspfründe durch einen evangelischen Pfarrer. Darum wurde 1536 ein katholischer Geistlicher als Frühmessner und zugleich katholischer Pfarrer von Ermatingen eingesetzt. Seit dieser Zeit teilen sich Evangelische und Katholiken die Kirche (siehe «Pfarrertafeln» neben dem Windfang).

Altar St. Albin

Heute wird die Kirche nicht nur miteinander geteilt, sondern häufig gemeinschaftlich genutzt. So finden beispielsweise regelmässig ökumenische Gottesdienste, Andachten und andere gemeinsame Veranstaltungen statt. Gegenseitige Achtung und Toleranz sind die Voraussetzungen für diese geschwisterliche, paritätische Gemeinschaft.

Die dem heiligen Albin (einem fränkischen Fürstensohn und späteren Bischof) geweihte Kirche wurde vermutlich im frühen Mittelalter (6./7. Jahrhundert) gegründet. Die Katharinenkapelle im ehemaligen Turmchor stammt aus dem Jahr 1387, bemerkenswert ist der Salvatorkopf am Schlussstein des Deckengewölbes: ein lächelnder Christus.

In den Jahren 1696 bis 1780 erfolgte ein grosser Umbau, insbesondere wurde die Schiffsdecke mit Stuckaturen versehen und das Chorgewölbe bemalt. Die Deckengemälde des Konstanzer Hofmalers Franz Ludwig Hermann (1723 -1791) zeigen Abbildungen von verschiedenen Kirchenvätern, grossen Päpsten und Heiligen. Die drei Statuen im Chor stellen Maria mit dem Kind, den Kirchenpatron St. Albin (im Bischofsornat) und die Märtyrerin St. Katharina (mit Siegespalme) dar.

Die Kanzel mit schönen Intarsien stammt aus dem Jahr 1729. Die letzte Innenrenovation wurde 1990 durchgeführt; die letzte Innenreinigung 2017.

Kapelle St. Nikolaus Triboltingen

Die Dorfoffnung vom Jahre 1301, die wahrscheinlich auf älteres Recht zurückgeht, bestimmt: «wem von vogtwegen die kirch wirt verpotten, das man von sinen wegen nit singt, der muss ainem vogt ze buss geben fünf schilling pfenig und och fünf schilling pfenig an sant Niclauskirchen ze Tribeltingen an den buw», Diese Kompetenz des Vogtes lässt vermuten, die Kapelle Triboltingen sei die Stiftung einer ansässigen Vogtfamilie. Dafür in Frage kommen namentlich die reichenauischen Dienstmannen Bertold, Heinrich und Friedrich von Triboltingen, die 1210-1267 nachgewiesen sind. Dem Priester der Mutterkirche Ermatingen standen in der Kapelle offenbar wenig Rechte zu. Vor der Reformation lasen hier Konstanzer Domherren das Amt. Auch besaß die Kapelle eine eigene Pflegschaft. Nach der Reformation wurde sie nicht mehr für Gottesdienste benutzt. Sie hatte lediglich noch die Funktion eines Zeitglocken-Gebäudes.

Kapelle Triboltingen

Der Dachreiter wurde sorgfältig unterhalten, das übrige vernachlässigt. Zwischen 1850 und 1860 verkam das Bauwerk zum Spritzenhaus, im zweiten Weltkrieg sogar zum Pulvermagazin, überlebte aber dank dieser Nutzung bis zur Restaurierung im Jahre 1957, die vom Heimatschutz veranlasst wurde.

Beschreibung

Äußeres. Der kleine, schlichte Giebeldachbau fügt sich unauffällig in die Siedlung. Seine strassenseitige Längswand hat mit den lagerhaft gefügten, teilweise im Ährenverband schräg gestellten Feldsteinen und mit den hochgelegenen Rundbogenfensterchen noch romanische Formen, die hier wohl ins 13. Jahrhundert oder wenig früher zu datieren sind. An den grob behauenen Eckquadern im Westen lässt sich eine Erneuerung der Giebelwand und der Portalzone ablesen (1602?). Die romanische Anlage war an der Ostseite gerade geschlossen und hatte wahrscheinlich keinen fest eingebauten Altar. Der kurz nach dem Schwabenkrieg und noch vor 1503 erbaute polygonale Chor hat an allen drei Seiten ein Spitzbogenfenster mit schlichtem Masswerk. Hervorragendes Merkmal am Äußeren und Wahrzeichen des Dorfes ist der 1602 erbaute Dachreiter mit ausladendem Spitzhelm. Aus dem gleichen Jahr datiert - gemäß Aufschrift - die hölzerne Zeittafel. Das gemalte Zifferblatt ist von Ranken umgeben, einem schlanken Pilasterpaar flankiert und einem Familienwappen-Fries gekrönt. Die zweite Jahreszahl, 1710, weist auf eine Reparatur hin, der 1850-60 eine zweite folgte. Vom Uhrwerk, das der Winterthurer Andreas Liechti 1602 anfertigte, ist aussen nur der eine und einzige Zeiger sichtbar. Die beiden Glocken datieren noch aus dem 14. Jahrhundert, was die Vermutung nahelegt, die Kapelle könnte schon damals einen Dachreiter oder Turm gehabt haben.

Inneres

Der karg ausgestattete Raum hat bedeutende Reste mittelalterlicher Wandmalereien. In einem nun zugemauerten Fensterchen der Nordwand kamen bei der letzten Restaurierung Spuren einer romanischen Darstellung zum Vorschein. Eine zweite, hochgotische Malschicht ist durch Reste einer stark stilisierten Akanthusbordüre und Zyklusfragmente vertreten. Einst muss diese Schicht den ganzen, damals noch gerade geschlossenen Chor umgeben haben, sind docho die Spuren an der Südseite über der ehemaligen Sakristeitüre wie auch gegenüber an der Nordseite zu sehen. Von den Darstellungen ist allerdings nur noch die leidlich erhaltene Auferstehung Christi über der erwähnten Sakristeitür lesbar. Diese Malereien blieben bei der Chorerweiterung um 1500 stehen und wurden übermalt.

Die dritte Malschicht, aus der Zeit um 1500, umfasst den polygonalen Altarraum und zieht sich beidseits noch ein Stück weit ins Langhaus hinein. Eine breite Bordüre aus Ranken und Kornblumen bildet den Rahmen, der sich unter den Fenstern verkröpft. Die Darstellungen sind durch die Ecken und Kanten der Fenster und Chorseiten sowie dünne Stäbe voneinander getrennt. Der Zyklus begann an der Nordwand mit einer nun zerstörten Darstellung (Ölbergszene?). Links des Sakramentshäuschens sind noch Reste einer Gefangennahme Jesu zu erkennen. Ihnen folgen nach rechts die Szenen der Vorführung vor Pilatus, der Geißelung, der Dornenkrönung, des ECCE HOMO (?), der Kreuzaufnahme, des Zusammenbruchs unter dem Kreuz und der schon erwähnten Auferstehung. In den Fensterleibungen sind, von Ranken umgeben, Heilige einander paarweise zugeordnet: im Norden Georg und Margareta, im Osten (vermutlich) Konrad und Nikolaus, im Süden Johannes Baptist und Barbara, im kleinen gotischen Fenster der Südseite Christophorus. Der Zustand der Malereien erschwert die stilistische Würdigung. Rote Pigmente haben sich verschwärzt und Konturen sind abgeplatzt, so dass sich an einigen Partien die Wirkung eines fotografischen Negativs ergibt. Zweifellos handelte es sich um eine recht hochstehende Kunstübung. Obwohl im Programm noch durchaus gotischer Tradition verpflichtet, hat der Maler die Figuren schwungvoll und in meisterlicher Manier vorskizziert und ausgemalt. Die Darstellung der Innenräume ist für die Zeit um 1500 modern.

Schachbrettartig gemusterte Böden und in jäher Verkürzung wiedergegebene Gewölbe in der Untersicht geben den Räumen bedeutende Tiefe. Manches an dieser Manier erinnert an zeitgenössische Malereien aus dem Alpenraum. Doch ist wohl eher an einen Meister aus der unmittelbaren Umgebung zu denken.

Sakramenthäuschen der Kapelle Triboltingen
Sakramenthäuschen der Kapelle Triboltingen

Das Sakramentshäuschen in der nördlichen Schrägwand des Chors ist ein Juwel spätgotischer Kleinarchitektur. Es hat Spuren der alten farbigen Fassung bewahrt und ist von einer meisterlichen Dekorationsmalerei umgeben, in der neben pflanzlichen und architektonischen Formen auch zwei flankierende Engel Platz haben. Ein Kuriosum stellen schließlich die zahlreichen heraldischen, symbolischen und teils grotesken Rötelzeichnungen und Pilgerinschriften dar, die vor allem an der Nordmauer hingekritzelt wurden und mehrheitlich aus dem 15. Jahrhundert datieren dürften (unter anderem Jahreszahl 1474).

Thomas Spirig (✝2017)

Kapelle St. Aloysius Mannenbach

1155 soll ein Ritter von Salenstein nach heiler Rückkehr von einem Kreuzzug ins Heilige Land die Kapelle gestiftet haben. Aus dem 14. Jh. stammt die Abschrift einer Urkunde, die das zu bestätigen scheint. Eine andere Urkunde von 1417 berichtet von einer Heiligkreuz-Pfründe, die mit der Kapelle verbunden ist und auch eine Kaplanei umfasst. 1221 ist zum ersten Mal ein Priester in Mannenbach nachgewiesen, der vom Kloster Reichenau eingesetzt wurde. Nach der Inkorporation des Klosters in das Bistum Konstanz (1540) ging dieses Recht bis 1821 an den Bischof von Konstanz.

Kapelle St. Aloysuis Mannenbach

Die Kapelle wurde zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit sowie der Heiligen Nikolaus von Myra, Dionysius und Georg geweiht. Die Abschrift der Urkunde von 1155 zählt noch weitere 40 Heilige auf, aber auch andere Reliquien wie Teile „von dem crutz unseres herren, von sinem hailigen grab, von unser Frowen gewand“. In Mannenbach konnte also ein besonderes „hailthum“ verehrt werden. Der Kreuzpartikel und der Schutzpatron der Seefahrer, St. Nikolaus, nahmen dabei eine besondere Stellung ein: Die Kapelle wurde zum Wallfahrtsort.

Mit der Reformation verlor die Kapelle ihre Bedeutung, wurde verwüstet, die Altäre zerstört. Im Zuge der Rekatholisierung wurde 1692 die Kaplanei wieder besetzt und die Wallfahrt neu belebt. 1695 folgte eine Renovation der Kapelle, wobei die heute bestehende Decke eingezogen und ein barocker Hochalter errichtet wurde. Zu diesem Altar kam 1785 der Hochaltar aus der Kirche Ermatingen, womit er der Zerstörung entging; seit 1979 steht er wieder an der Nordwand im Chor der Ermatinger Kirche.

1825 verkaufte die katholische Kirchgemeinde Ermatingen, nun im Besitz der Kapelle, das umliegende Gelände samt Kaplanei für den Bau des Schlosses Louisenberg; 1854 wurde auf der anderen Strassenseite eine neue Kaplanei errichtet.

Die restaurierte Orgel der Kapelle Mannenbach
Die restaurierte Orgel der Kapelle in Mannenbach

1881 kamen in der Kapelle die romanischen Wandmalereien zum Vorschein und 1908 erfolgte eine bescheidene Renovation. 1993 bis 1995 kam es zu einer umfassenden Restaurierung durch die katholische Kirchgemeinde mit Unterstützung durch Bund, Kanton, Gemeinde Salenstein und private Spender. Erwähnenswert sind ausserdem die restaurierte Orgel, die vor hundert Jahren vom Restaurant Ochsen in Triboltingen in die Kapelle gelangte, sowie die Turmuhr von 1533, welche Hans Luterer aus Waldshut für die Kirche Ermatingen baute und die Kaiser Napoleon III. 1869 der Kapelle Mannenbach schenkte.

Thomas Spirig (✝2017)

Schlosskapelle Arenenberg

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Zu der katholischen Kirchgemeinde Ermatingen gehören die Pfarrkirche St. Albin und die Kapelle St. Aloysius in Mannenbach. Auf dem Gebiet der Gemeinde stehen noch die Kapelle St. Nikolaus in Triboltingen und die Schlosskapelle Arenenberg. Jede einzelne hat ihre eigene Geschichte, die sich lohnt gelesen zu werden.